Chemisches Recycling im großen Stil: OMV nimmt neue ReOil®-Anlage erfolgreich in Betrieb

ReOil workers

24. März 2025

4 Min

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Alles über unsere neue ReOil®-Anlage.

Jedes Jahr produzieren die Menschen 350 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Das ist mehr als das Gesamtgewicht aller Menschen auf der Erde zusammen. Doch nur 9% davon werden recycelt.

Diesen Anteil zu erhöhen, ist eine der großen Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Eine Herausforderung, die innovative Lösungen erfordert und den Willen, diese im großen Stil umzusetzen.

Unsere ReOil®-Technologie ist eine solche innovative Lösung: Mit ihrer Hilfe lassen sich schwer recycelbare Kunststoffe in kreislauffähige Chemikalien umwandeln, aus denen neue Kunststoffe hergestellt werden können. Unsere ReOil-Anlage kann mit diesem innovativen Verfahren 16.000 Tonnen Altkunststoffe verarbeiten. 

Erfahren Sie, wie das konkret gelingt und warum die Technologie für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft entscheidend ist.

Wie funktioniert ReOil? 

ReOil schenkt Altkunststoffen (post-consumer plastics, PCPs) ein zweites Leben. Mithilfe der Technologie recyceln wir Kunststoffe, die sonst auf Deponien oder in der Müllverbrennung landen würden. Wir verwenden vor allem PCPs, die sich nicht für mechanische Recyclingverfahren eignen.

In unserer ReOil-Anlage werden diese Kunststoffe zu Pyrolyseöl verarbeitet, das anschließend gereinigt, raffiniert und in einen anderen Teil der Raffinerie geleitet wird, wo es zu Monomeren wie Ethylen und Propylen weiterverarbeitet wird. Diese liefern wir an verschiedene Kunden und Partner wie Borealis, die daraus neue Kunststoffe herstellen und so dazu beitragen, den Kunststoffkreislauf zu schließen.

Entscheidend ist, dass sich Kunststoffe aus chemisch recycelten Rohstoffen in Qualität und Reinheit nicht von fossil erzeugten Kunststoffen unterscheiden. Das eröffnet breite Einsatzmöglichkeiten, auch für Produkte mit hohen Sicherheitsanforderungen wie Lebensmittelverpackungen oder medizinische Ausrüstung. Gleichzeitig können wir den Einsatz fossiler Brennstoffe reduzieren.

Zudem ist ReOil im Vergleich zu anderen chemischen Recyclingverfahren leicht skalierbar, da wir eine innovative Technologie einsetzen, die die Viskosität der Kunststoffschmelze reduziert.

Die ReOil®-Anlage

Mit der Inbetriebnahme unserer ReOil-Anlage gehen wir nun einen wichtigen Schritt weiter. Wir setzen konsequent fort, was wir 2009 mit ersten Laborversuchen begonnen und mit unserer kleineren ReOil-Pilotanlage erfolgreich getestet haben.

Die neue Anlage kann 2.000 kg Altkunststoffe pro Stunde verarbeiten und ist damit eine der größten chemischen Recyclinganlagen Europas. „Die Integration in die Raffinerie Schwechat ist ein enormer Standortvorteil.“, erklärt Andreas Lechleitner, Senior Expert in Circular Economy Innovation at OMV. „Wir können infrastrukturelle Synergien nutzen, einen sicheren Umgang mit den Pyrolyseöl garantieren und dieses direkt in den Wertstoffkreislauf zur Kunststoffproduktion zuführen.“ 

Manfred Scharner, ReOil Project Director, ergänzt: „Mit dieser Anlage können wir nun zeigen, dass ReOil im großen Maßstab funktioniert. Gleichzeitig gewinnen wir – wie schon bei der Pilotanlage – wichtige Erkenntnisse, die uns helfen, die Technologie weiterzuentwickeln und zu skalieren.“

Das große Ganze

ReOil ist eine praktikable, kreislauffähige und ganzheitliche Lösung für den Umgang mit Kunststoffabfällen.

Mit ReOil erschließen wir völlig neue Anwendungsfelder in der Kreislaufproduktion von Kunststoffen. Vor allem können nun deutlich mehr Kunststoffe wiederverwertet werden, die sich nicht für das mechanische Recyceln eignen. Im nächsten Schritt muss das Verfahren großtechnisch eingesetzt werden, um noch mehr Kunststoffe aus dem Abfallstrom herauszulösen und sinnvoll zu verwerten. Ein weiterer Vorteil: Es wird deutlich weniger CO2 freigesetzt als bei der Verbrennung, die derzeit für 36% der Kunststoffe in Österreich die letzte Option ist.

Vom Stromkabel bis hin zur Lebensmittelverpackung – Kunststoffe sind aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Doch die Menschheit produziert weit mehr, als sie entsorgen kann. Die Systeme sind überfordert. Die Verschmutzung unserer Umwelt durch Plastikmüll und die Bedrohung durch den Klimawandel verlangen dringend nach pragmatischen Lösungen. 

ReOil kann diese Herausforderungen nicht im Alleingang lösen. Aber die leicht skalierbare Technologie hat das Potenzial, entscheidend zum Wachstum der Kreislaufwirtschaft beizutragen und eine Welt zu schaffen, die in Kreisläufen denkt.